Notiz_29


Das Dachfenster ist über den ganzen Tag offen geblieben. Im Halbschatten der Lichterkette sehe ich eine Mücke verschwinden. Ich will trotzdem das Fenster nicht schließen. Am Morgen ist es kalt und frühlinghaft, die Luft riecht nach Straße und Rauch und Blüten.
Estefelé
jár az idő
szállást kérnék
de nincs kitől
 jaj istenem
 hol fogok én
aludni
Vera tanzt leise zur Musik von Parno Graszt in der Mitte vom kleinen Zimmer. Ihre Arme berühren die Decke, wenn sie sie ausstreckt, Vera macht zwei Schritte, das Zimmer ist zu Ende. Vera macht drei Schritte zurück, ihr Fuß berührt die Matratze auf dem Boden, worauf ich liege und mir eine Zigarette drehe.
            Also sind wir jetzt Pendler.
Ist nicht so schlimm. In München hätten wir genauso lange gebraucht, um in die Stadt zu fahren.
Das stimmt.
Vera tanzt weiter, ihre Bewegungen werden langsamer, wiegender, bis sie sich auf die Matratze fallen lässt, neben mir. Sie bringt ihre Hände zum Gesicht, als würde sie weinen wollen, oder lachen vielleicht, sehr kräftig lachen. Ich zünde mir die Zigarette an. Vera bleibt regungslos. Ich greife zu ihren Händen, vorsichtig decke ich ihr Gesicht auf. Vera bietet keinen Widerstand. Vera lacht nicht, sie weint auch nicht. Ihre Augen sind weit offen.
            Das stimmt. Es ist nicht so schlimm.




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