Notiz_24



Verschneite, weiße Wiesen und Hügel und Wälder am Horizont.
            Sind wir schon in Bayern?
            Ich denke nicht.
Der Zug fährt weiter durch die Winterlandschaft, durch die Dörfer und die Neubauten neben den Fachwerkhäusern.
            Ich glaube, der Zug fährt in die falsche Richtung.
            Wieso?
            Naja. Hier liegt noch Schnee. Aber morgen beginnt der Frühling.
Vera schaut besorgt aus dem Fenster.
            Die Zuckerhutfichte wird sich freuen.
Vera scheint beruhigt. Ihre nackten Füße liegen auf meinem Schoß, sie trägt ein weißes, weites, langes Kleid und mein schwarzes Sakko. Ich sehe ihre Schuhe nicht. Sie sind wahrscheinlich unter dem Sitz.
Wir werden in drei Stunden in München sein. Es wird seltsam, abgeholt zu werden. Normalerweise bin ich derjenige gewesen, der am Bahnhof die Angekommenen abholte. Es ist schon mehr als ein halbes Jahr vergangen, seitdem wir dort wohnten.
Hoffentlich hat der Frühling keine Verspätung.
            Es wäre schon, durch die Stadt spazieren zu gehen.
            Auf einer Parkbank auf den Frühling warten.
Vera lächelt. Sie freut sich. Gleichzeitig ist sie nachdenklich. Gleichzeitig ein wenig traurig. Gleichzeitig erwartungsvoll. Teilweise besorgt. Vera kann vieles empfinden, wenn sie lächelt. Ich sehe die Gedanken, die sich in ihren schmutzigblonden Haaren verfängt haben.
            Ich mag den Geruch des Zuges.
            Ich auch.
Vera lächelt. Sie nimmt meine Hand und knabbert leicht an meinem Daumen. Das mag Vera sehr. Wir sind inzwischen in Bayern, aber hier liegt auch Schnee.

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