Notiz_9


Ich nehme sämtliche Bücher aus dem Regal, stelle sie auf dem Tisch, öffne sie, lese ein paar Wörter, mache sie wieder zu und stelle sie ins Regal zurück.
            Jetzt möchte ich kurz die Wand anstarren, nur kurz, bis es aufhört zu regnen.
Vom weißen Himmel fallen langsam unzählige Papierfetzen. Sie schweben leicht in der Luft, so viele, sie erreichen den Boden und gleich werden sie wieder vom unsichtbaren Wind aufgewirbelt. Ich strecke meine Hand aus, greife nach den Papierstücken. Ich lese die Wörter, doch sie bedeuten mir nichts. Ich lasse die Fetzen wieder fallen, fliegen.
            Nichts will sich zusammenfügen heute.
            Das widerspenstige Material der Gedanken.
Vera legt ihren Kopf auf meine Schulterblätter, umarmt mich. Ich spüre ihren leisen Atem.
Ich kann schlecht einschlafen nachts. Ich kann aber auch schlecht aufstehen. Was ich kann, kann ich nur schlecht in letzter Zeit. Ich sage mir: Ab Morgen. Aber der Morgen kommt und ich bin noch die vom Gestern. Die Müdigkeit wird nicht weniger, sie wartet geduldig auf mich, auf das Ende meines Schlafs, um mich wieder durch den Tag zu begleiten. Ich sage mir: Ab Morgen. Aber der Morgen kommt und die Müdigkeit ist noch die vom Gestern.
Wann kommt der wahre Morgen?
Gleich, sage ich mir.
Kommt er dann?
Meistens.

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