Notiz_4


            Ich bin lieber bei dir als anderswo.
Vera lächelt verlegen und schaut weg. Sie sitzt auf dem Boden, mit ihren Rücken an der Heizung. Ich liege im Bett mit Migräne. Ich bin weinerlich, wenn es mir nicht gut geht. Das weiß sie aber schon, ich brauche mich nicht zu entschuldigen.
            Du denkst zu viel, wenn du krank bist.
            Wahrscheinich hast du recht.
Giba hat gerade eben meine Küche und meine Wohnung verlassen. Das letzte, was er mir gesagt hat: Du rauchst zu viel. Es war schön, ihn wiederzusehen. Obwohl ich gestern den ganzen Tag mit Schweigen und Kranksein verbracht habe. Wir haben trotzdem etwas von Hildesheim gesehen. Wir waren auf dem Andreasturm. Wir sind die dreihundertvierundsechzig Stufen hochgelaufen und als wir oben waren, hatte ich Kopfweh.
            Ich weiß selber nicht, warum ich so schwach bin in letzter Zeit.
Vera hört mir nur halb zu. Sie ist melancholisch gestimmt. Sie spielt nachdenklich mit ihren Haarspitzen und antwortet nicht.
            Soll ich Tee kochen?
            Gerne.
Sie steht auf, lässt die Tür offen als sie das Zimmer verlässt. Ich höre das Rauschen des Wasserkochers. Ich glaubte etwas würde fehlen, aber ich sehe jetzt, alles ist da. Ich bin es, der fehlt.
            Wo bist du?
Vera und ich stehen nebeneinander auf der Kettenbrücke und schauen auf die Donau. Nur, wo die Donau sein soll ist nichts außer weißem Land. Und wo Budapest sein soll, an den zwei Enden der Brücke ist auch nichts. Außer Weißem Land. Vera schlurft laut ihren Tee aus einer Blümchentasse. Ich stütze mich auf dem Schutzgeländer und beobachte die weiße Landschaft. Die Zeit vergeht still.
            Du solltest die Wohnung putzen.
            Ich möchte hier bleiben.
Ich bin weinerlich, wenn es mir nicht gut geht. Eisschollen schwimmen auf der unsichtbaren Oberfläche der Donau, sie verschwinden langsam unter der Brücke. Es wird ein langer Winter. Und ich bin jetzt schon Krank.
            Du solltest die Wohnung putzen.
            Ich bin immer noch so abhängig von meinen Träumen.
Vera stellt die Tasse auf das Schutzgeländer. Ich sehe sie tanzen auf einem einsamen Stern.
            Du solltest die Wohnung putzen.
            Nun gut.
Ich nehme einen großen Schluck lauwarmen Schwarztee.
Krank sein ist anstrengend, denke ich.
Hilft ja nichts.
Ich stehe auf.

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