Notiz_3


Ich halte die Augen zu.
Vera weht durchs Schlafzimmer in ihrem übergroßen T-Shirt.
Ich höre, wie sie meine verstreuten Sachen und Papiere durchsucht.
            Suchst du nach etwas?
            Nein.
Ich höre, wie sie sich weiter von einem Ende des Zimmers zum Anderen bewegt. Sie wird nicht leiser. Anscheinend nimmt sie meinen Einschlafversuch nicht wirklich ernst. Ich auch nicht übrigens.
            Was machst du?
            Ich warte.
            Worauf?
            Auf dich.
Ich mache die Augen auf.
Vera sitzt auf der hohen Kommode mit gekreuzten Beinen, ihr Kinn ruht auf ihre Faust und richtet ihr vorwurfsvoller Blick auf mich. Sie langweilt sich. Ohne jegliche Warnung springt sie auf den Boden, von dort aus aufs Bett. Sie beugt ihr Gesicht vor bis es zwei Zentimeter von meinem entfernt ist. So bleibt sie, ungeduldig blinzelnd. Ich bewege mich nicht. Ich kenne das Spiel. Zeit vergeht, wir atmen gleichzeitig aus und ein. Dann erreicht Veras Geduld ihr Ende. Sie greift mir ins Gesicht, ich springe auf.
            Hör auf damit.
Jetzt liegt Vera im Bett neben mir. Sie reißt ihre Augen auf und faltet sich zusammen.
            Lass uns gehen. Bitte.
            Gut. Gehen wir.
Sie lacht auf und springt hoch.
Wir stehen bei einem großen Steintor. Rechts von uns ein verlassener Kiosk, Tische und Stühle liegen verstreut in der weißen Landschaft. Wir gehen durch das Tor hindurch. Ein weiter Platz, begrenzt von einer monumentalen Loge. Zwischen den Säulen wachen gesichtslosen Statuen.
            München?
            Ja.
Vera nickt zufrieden.
Ich schaue mich um.
Warum München?
            Warum München?

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