Notiz_48 - Touché



Ich könnte noch viel mehr.
Die Gewissheit des Glücks.
Und ein Bier, das nicht so
Gut schmeckt. Unmöglich,
Sich Urlaub zu nehmen. Ich
Bin eine Maschine geworden,
Wie gewünscht. Nur was jetzt.
            Und was
            Kommt
            Jetzt
            Vera, bitte, hör auf.
Vera trägt vor, was ich geschireben habe. Die anderen Gäste in der Bar schauen schon rüber zu mir, ich täusche vor, ich sei im Schreiben vertieft. Keiner weiß, dass ich Ungarisch kann. Oder keiner weiß, dass ich Ungarisch doch nicht so gut kann.
            Angesprochen
            Zu werden ist
            Ein schlafloser
            Alptraum
Vera spricht in Versen. In meinen Versen.
            Jetzt hör auf.
            Entspann dich doch.
Vera hat Recht. Wie immer. Ich sollte mich entspannen. Auf den Wänden ist New York zu sehen, aus dem Fenster Budapest, in meiner Tasche ein Stück München.
Ich sollte mich entspannen, sagst du, aber ich weiß nicht mal, wo ich mich befinde. Wo liegt das Kissen, worauf mein Kopf liegt. Liegt das Kissen am selben Ort, wo mein Kopf liegt.
Du bist soooooooooooooooo lyrisch.
Ja, es ist zum Kotzen. Nicht mal ein Bier kann man in Ruhe trinken.
Meine Hände kleben. Ich sollte heim gehen. Essen. Lesen. Und der Kopf wird so angenehm schwer vom Bier. Es ist mir gleichgültig, wo mein Kissen liegt, solange ich meinen Kopf darauf legen kann. Solange ich trinke.
Du bist soooooooooooooooo vorhersehbar. Pass auf, dass ich mich nicht langweile mit dir. Ich könnte ja woanders hin.
Vera schaut nachdenklich die Wände der Bar an. Ne, nach dieser ganzen Aktion in München werde ich von den USA vorerst fernbleiben. Ich hoffe Vera auch.
Was sollst du dort.
Wo dort?
In New York.
Weiß nicht. Ich war nur einmal. Da war ich sehr klein.
Ja, wir waren zusammen. Das war vor wie vielen… Acht Jahren?
Achteinhalb, ja. Aber du hast dich gar nicht um mich gekümmert. Dir ging’s nicht gut und du fandest die Stadt hässlich, dann aber, als wir zurückfuhren, hattest du Sehnsucht danach.
            Ist es nicht immer so?
            Mit dir schon. Ich sage ja, dass du vorhersehbar bist.
Touché.
            Wo würdest du gerne hin. Außer New York.
            Nach Prag.
            Da kann man aber nicht alleine hin.
            Ja, du hast Recht.
            Was ist mit Hamburg? Ins Museum?
Da kannst du aber auch nicht alleine hin. Dann packt dich die Angst und du kannst dich nirgendswohin setzen und ein Bier trinken, weil du dich vor den Menschen fürchtest. Das hatten wir schon.
Ja, stimmt.
Ich bin wirklich vorhersehbar. Die Vermutung, dieser Gedanke wird mich nachts noch quälen, schleicht sich heran. Ich scheuche sie fort mit dem Fuß.
Du, Vera, wir sind in Budapest. Können wir das nicht einfach genießen, anstatt darüber nachzudenken,  wo wir eigentlich hin möchten?
Ich sage ja, dass du dich entspannen sollst.
Touché.



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