Notiz_39 - Sich erholen vom Wochenende




Jetzt die Ruhe.
            Es regnet wieder. Währenddessen spielt in Island jemand Klavier.
Und kein Licht ist an. Nur die Lichterkette über das Bett. Meine Füße werden warm, ich schläfrig. Vera sieht schön aus im rotgrünblaugelben Licht. Ihr Kopf neben den Meinen.
            Du warst da.
            Ich war da.
            Als ich betend einschlief, du warst da.
            Ich war da.
            Als ich aufwachte um vier Uhr morgens, du warst da.
            Ich war da.
            Als ich plötzlich die Lösung wusste, du warst da.
            Ich war da.
Vera setzt die Hand mir auf die Stirn. Sie ist warm. Winzig klein. Ich schließe die Augen. Höre den Wind spielen zwischen Berggipfeln.
            Ich bin da.
Als ich aufwachte um vier Uhr morgens und plötzlich die Lösung wusste, nachdem ich betend einschlief, sah ich Vera draußen auf dem Balkon stehen. Es war kälter geworden im Laufe des Nachmittags, ein kurzer Regenschauer zwei Tage vorm Herbst. Wir schauten hoch zum Sternehimmel, mondlos. Da sprach Vera so leise, dass ich ihre Worte kaum vernahm. Ihren Sinn verstand ich nicht, die Sprache aber. Ich kehrte zurück ins Bett und buchte die Flüge nach Budapest.
            Danke.
            Nincs mit.
Vera lächelt. Streckt sich mit einem leisen Laut. Dann entspannt sich ihr Körper, sie dreht sich zu mir. Ihr Kopf neben den Meinen.
            Hörst du noch den Wind?
Zwischen Berggipfeln. Über die weiße Ebene. Zu den Provinzstädten Sonntagsabend, während die Familien sich erholen vom Wochenende. Zur Rose, die unter meinen Balkon weht.
            Der Wind trägt hierher die Klaviertöne aus Island.
            Kennst du die Geschichte von Wind und Atem?
            Ja. Erzähl sie.
            Später.
Wenn die Ruhe verschwinden wird und wieder gesucht werden muss zwischen den nassgelben Blättern, in den Augenblicken zwischen Tag und Abend, dort wo die Züge nur langsam fahren.
            Du bist Wind.
            Und du bist Atem?
            Ich bin Atem.




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